top of page

Warum Change Management in S4HANA-Projekten scheitern

  • Autorenbild: Silvia Hildebrandt
    Silvia Hildebrandt
  • 5. März
  • 4 Min. Lesezeit

Viele S/4HANA-Transformationen scheitern nicht an der Technologie, sondern an der Organisation. Ohne strukturiertes Change Management bleiben Prozesse unklar, Mitarbeiter überfordert und Entscheidungen fragmentiert. Gerade im SAP-Umfeld reicht eine technische Migration nicht aus – es braucht gezielte Steuerung von Kommunikation, Rollen und Veränderungsprozessen.+


TL;DR

  • SAP-Transformation ist mehr als IT-Migration – sie verändert Prozesse und Organisation.

  • Change Management wird oft unterschätzt, obwohl es entscheidend für den Projekterfolg ist.

  • SAP Activate erwähnt Change Management, lässt aber viel Interpretationsspielraum.

  • Dadurch entsteht häufig uneinheitliches Vorgehen im Projekt.

  • Erfolgreiche S/4HANA-Programme behandeln Change Management als eigenständige Projekt-Disziplin.


Eine Beobachtung aus einem aktuellen Projekt

Silvia Hildebrandt, Geschäftsführerin Hilstayn
Bildquelle: Silvia Hildebrandt

Ich arbeite aktuell in einem Transformationsprojekt, in dem Microsoft Dynamics durch SAP S/4HANA ersetzt wird.

Eigentlich ein typisches Szenario: ein neues ERP, modernere Prozesse, bessere Integration.

Doch relativ früh im Projekt kam ein Gedanke auf, der mich nicht mehr losgelassen hat:

Change in SAP-Projekten ist irgendwie anders.

In vielen IT-Projekten geht es darum, eine Software einzuführen oder eine Plattform zu migrieren. Klar, das bringt Veränderungen mit sich aber meistens bleiben die grundlegenden Prozesse erhalten. Bei SAP ist das anders. Oft geht es Richtung Standardisierung. Es muss also "einfacher werden".

SAP verändert oft also nicht nur ein System, sondern die Logik der Organisation selbst:

  • End-to-End-Prozesse werden neu gedacht

  • Verantwortlichkeiten verschieben sich

  • Fachbereiche müssen enger zusammenarbeiten

  • Datenstrukturen ändern sich fundamental


Und genau hier beginnt das eigentliche Problem vieler S/4HANA-Programme.


Warum technische Migration ohne Change Management in S4Hana Projekten allein nicht reicht

Viele Unternehmen behandeln eine SAP-Transformation zunächst wie ein klassisches IT-Projekt:


  • Infrastruktur vorbereiten

  • Daten migrieren

  • Prozesse konfigurieren

  • Go-Live planen


Technisch gesehen funktioniert das meist sogar.

Aber dann passiert etwas Interessantes.

Die Organisation ist nicht bereit für das neue System.


Typische Symptome nach dem Go-Live

Problem

Ursache

Prozesse werden umgangen

Mitarbeiter verstehen neue Abläufe nicht

Excel-Shadow-IT entsteht

Vertrauen in das System fehlt

Entscheidungen dauern länger

Rollen und Verantwortlichkeiten unklar

Widerstand im Fachbereich

Veränderung wurde nicht begleitet

Das hat einen einfachen Grund:

S4HANA verändert nicht nur Software – sondern Arbeitsweisen.

Und genau deshalb ist Change Management im SAP-Kontext keine Nebenrolle.


Welche Rolle Change Management in SAP S4Hana-Projekten wirklich spielt

Bild eines mit Wasser gefüllten Glases
Bildquelle: Unsplash

Offiziell ist Change Management durchaus Bestandteil der SAP-Methodik.

Im SAP Activate Framework taucht Change Management beispielsweise in mehreren Bereichen auf:


  • Organizational Change Management (kurz OCM)

  • Training & Enablement

  • Stakeholder Communication

  • Adoption Management


Doch hier liegt ein strukturelles Problem.

SAP Activate beschreibt dass Change Management wichtig ist, definiert aber selten wie genau es umgesetzt werden soll.


In vielen Projekten passiert dann Folgendes:

Jeder interpretiert Change Management anders.

  • Das PMO versteht darunter Kommunikation

  • HR denkt an Trainings

  • die IT sieht es als Teil der Projektsteuerung

  • Fachbereiche erwarten Unterstützung beim Prozessverständnis

Am Ende entsteht kein klarer Change-Ansatz, sondern viele parallele Initiativen.


Das strukturelle Problem: Jeder macht Change Management „ein bisschen“

Diese Situation habe ich in mehreren SAP-Programmen beobachtet.

Change Management existiert – aber selten als klar definierte Rolle mit eigenem Framework.

Das führt zu typischen Herausforderungen:


1. Keine klare Ownership

Wer ist verantwortlich für Change Management?

  • Projektleitung

  • HR

  • Transformation Office

  • externe Berater

Wenn diese Frage nicht beantwortet wird, bleibt Change Management fragmentiert.


2. Kommunikation statt Transformation

Viele Projekte reduzieren Change Management auf:

  • Newsletter

  • Townhall Meetings

  • Projektupdates

Das hilft zwar bei der Transparenz.

Aber es verändert noch keine Arbeitsweisen.


3. Training kommt zu spät

Ein weiteres Muster:

Training beginnt oft kurz vor dem Go-Live.

Das Problem:

Zu diesem Zeitpunkt haben sich viele Mitarbeiter längst ihre eigene Meinung zum System gebildet.


Ein Beispiel aus der Praxis


In einem Projekt wurde ein neuer Procure-to-Pay Prozess in S4HANA eingeführt.

Technisch lief alles sauber.

Doch nach dem Go-Live passierte etwas Überraschendes:

Viele Einkäufer nutzten weiterhin ihre alten Excel-Workflows.

Warum?

Weil sie nie wirklich verstanden hatten:

  • warum der neue Prozess existiert

  • welche Vorteile er bringt

  • welche Rolle sie künftig spielen


Die Folge:

Das Unternehmen hatte ein modernes ERP-System –aber arbeitete weiterhin mit alten Prozessen. Es folgten erneute Schulungseinheiten und eine massive Verzögerung im Projektplan. Dies hatte die Erhöhung der Projektkosten um fast das doppelte nach sich gezogen.


Was gutes Change Management in SAP-Projekten ausmacht

Bibliothek, symbolisch für Wissen in s4Hana
Bildquelle: Pexels

Erfolgreiche S4HANA-Transformationen behandeln Change Management als gleichwertige Projekt-Disziplin.

Ein funktionierendes Modell umfasst meist vier zentrale Bausteine.


1. Stakeholder-Analyse

Wer ist betroffen?

  • Management

  • Fachbereiche

  • operative Nutzer

  • IT-Teams

Jede Gruppe benötigt eine andere Form der Einbindung.


2. Veränderungsnarrativ

Menschen akzeptieren Veränderungen nur, wenn sie verstehen:

Warum passiert das?

Ein starkes Transformationsnarrativ beantwortet genau diese Frage.


3. Rollen- und Prozessklarheit

SAP verändert häufig:

  • Entscheidungswege

  • Verantwortlichkeiten

  • Prozessschnittstellen

Diese Veränderungen müssen explizit erklärt und trainiert werden.


4. Frühzeitige Einbindung der Fachbereiche

Die besten SAP-Programme arbeiten mit:

  • Process Champions

  • Key User Netzwerken

  • Community-Formaten

Dadurch wird Change von innen getragen, nicht nur von der Projektorganisation.


Fazit

Viele Unternehmen unterschätzen, wie tiefgreifend eine SAP S4HANA Transformation wirklich ist.

Der Fokus liegt häufig auf Technologie, Datenmigration und Systemarchitektur.

Doch der entscheidende Erfolgsfaktor liegt woanders.

In der Organisation.


SAP verändert Prozesse, Verantwortlichkeiten und Arbeitsweisen.Ohne strukturiertes Change Management entstehen Unsicherheit, Widerstand und ineffiziente Workarounds.

SAP Activate erkennt diese Dimension zwar an – doch in der Praxis bleibt Change Management oft zu wenig konkret definiert.


Deshalb gilt für viele Transformationen eine einfache Regel:

Ein S/4HANA-Projekt ist kein IT-Projekt.Es ist ein Organisationsprojekt mit IT-Komponente.

Und genau so sollte es auch geführt werden.


Warum ist Change Management bei SAP-Einführungen besonders wichtig?

SAP-Systeme verändern oft komplette End-to-End-Prozesse innerhalb eines Unternehmens. Dadurch sind viele Rollen, Arbeitsweisen und Verantwortlichkeiten betroffen. Ohne strukturiertes Change Management entstehen Widerstand, ineffiziente Workarounds und geringe Systemakzeptanz.

Welche Rolle spielt Change Management im SAP Activate Framework?

SAP Activate enthält mehrere Elemente des Organizational Change Managements, etwa Kommunikation, Training und Stakeholder-Management. Allerdings definiert die Methodik selten konkrete Governance-Modelle, wodurch Unternehmen den Change-Ansatz oft individuell ausgestalten müssen.

Was passiert, wenn Change Management im SAP-Projekt fehlt?

Typische Folgen sind geringe Nutzerakzeptanz, Schattenprozesse in Excel, ineffiziente Workarounds oder verzögerte Entscheidungsprozesse. In vielen Fällen erreichen Unternehmen dadurch nicht die erwarteten Effizienzgewinne der SAP-Transformation.

Wann sollte Change Management im SAP-Projekt beginnen?

Idealerweise bereits in der Projektvorbereitung oder Discover-Phase. Wenn Mitarbeiter frühzeitig eingebunden werden, steigt die Akzeptanz für neue Prozesse und Systeme deutlich.

Wer sollte Change Management in einem SAP-Projekt verantworten?

In erfolgreichen Transformationen gibt es eine dedizierte Change-Organisation, die eng mit Projektleitung, HR und Fachbereichen zusammenarbeitet. Dadurch wird sichergestellt, dass Kommunikation, Training und Prozessveränderungen koordiniert stattfinden.


Bild der Autorin: Silvia Hildebrandt
Bild der Autorin: Silvia Hildebrandt
Silvia Hildebrandt / Geschäftsführerin Hilstayn
Bild der Autorin

Quellen
bottom of page